Geologischer Dienst
Nordrhein-Westfalen
Landesbetrieb
Legenden der Kartendienste (WMS): GÜK 500, HÜK 500
Die Stadt Ibbenbüren liegt am Nordrand der Westfälischen Tieflandsbucht.
Naturraumbeschreibung: Ostwestfälisches Hügelland
Das Stadtgebiet von Ibbenbüren liegt auf verschiedenen, geologisch bedingten morphologischen Einheiten. Der südlichste Teil um Dörenthe gehört zum schüsselförmigen Münsterländer Kreide-Becken mit Höhen um + 50 m NN. Der oberflächennahe Untergrund besteht aus Tonmergel-, Kalkmergel-, Kalk- und Mergelsteinen des Erdmittelalters (Oberkreide). Die hier bis 2500 m mächtigen Kreide-Schichten liegen über einem Sockel aus gefalteten Gesteinen des Erdaltertums (Karbon, Devon). An der Erdoberfläche ist eine Lockergesteinsdeckschicht der Erdneuzeit (Quartär) anzutreffen. Sie besteht aus meist sandigen Flusssedimenten und eiszeitlichen Ablagerungen wie Grundmoräne, Schmelzwassersand und Löss. Nördlich von Dörenthe erreichen die Ausläufer des Teutoburger Waldes Höhen bis + 167 m NN. Der Untergrund besteht auch dort aus Schichten des Erdmittelalters (Oberkreide und Unterkreide), die durch gebirgsbildenden Vorgang steil aufgerichtet wurden. Harte Kalksteine bilden den Kern der Höhenzüge in diesem Gebiet. Die weiter nördlich anschließende Talung der Ibbenbürener Aa liegt bei + 70 m NN. An der Oberfläche sind dort wieder quartäre Ablagerungen anzutreffen. Im Untergrud liegen Tonsteine und Mergelsteine des Jura. Diese Schichten kommen in der südlichen Ortslage von Ibbenbüren an die Oberfläche. Der größte Teil des Stadtgebiets liegt auf dem Schafberg (Ibbenbürener Steinkohlengebirge). Es werden Höhen von + 131 m NN, nördlich des Ortsteils Laggenbeck sogar von + 174 m NN erreicht. Unter einer nur dünnen Decke von eiszeitlichem Löss und Grundmoräne stehen Schichten des Erdaltertums an. Diese isolierte Scholle flözführenden Oberkarbons, die sich von Uffeln im Nordwesten bis Laggenbeck im Südosten erstreckt, wird ringsum von großen Verwerfungen begrenzt. Auch innerhalb der Scholle sind zahlreiche Störungen zu verzeichnen. Sie teilen den Schafberg in bergbaulicher Hinsicht in das Westfel und das Ostfeld. Im dazwischenliegenden Bockradener Graben finden sich auch noch Reste von Schichten aus der Zechstein-Zeit.
Im Stadtgebiet von Ibbenbüren lassen sich in Abhängigkeit von den geologischen Gegebenheiten vier unterschiedliche Grundwasserregionen ausgrenzen. Im Bereich um Dörenthe bauen die sandigen Ablagerungen des Eiszeitalters (Quartär) einen ergiebigen Porengrundwasserleiter auf. Die im tieferen Untergrund anstehenden Gesteine der Oberkreide sind entweder grundwasserfrei oder enthalten versalztes Wasser (Sole). Das in geringen Mengen in den Gesteinen des Erdaltertums zirkulierende Tiefenwasser ist ebenfalls stark salzhaltig. Der aus Schichten der Unter- und Oberkreide aufgebaute Bergzug des Teutoburger Waldes besitzt einige wichtige Kluftgrundwasserleiter. Sie speisen zum Teil ergiebige Quellen, doch der größte Teil ihres Kluftgrundwassers dürfte unterirdisch in das Münsterländer Kreide-Becken abfließen. In der Talung der Ibbenbürener Aa sind nur die quartären Lockersedimente grundwasserführend; die sie unterlagernden Ton- und Mergelsteine sind weitgehend grundwasserfrei. Der Schafberg weist komplizierte Grundwasserverhältnisse auf. Er enthält einige sandig und in seiner Umrandung auch kalkig ausgebildete Grundwasserleiter, die aufgrund der starken tektonischen Zergliederung des Schafberges jedoch keine großräumige Verbreitung aufweisen. Ihr Poren- und Kluftwasser fließt über die zahlreich vorhandenen tektonischen Trennfugen in den Bereich des Steinkohlenabbaus und muss ständig abgepumpt werden.
Das Ibbenbürener Steinkohlengebirge besteht aus einer mehrere tausend Meter mächtigen Wechselfolge von graugefärbten Sandsteinen und Tonsteinen mit dazwischen gelagerten meterdicken Steinkohlenflözen. Auf dem Schafberg werden die Sandsteine in zahlreichen Steinbrüchen gebrochen und für den Wegebau sowie als Bausteine verwendet. Die zum Teil rotgefärbten Tonsteine werden besonders im Bockradener Graben abgebaut und als hochwertiger Ziegeleirohstoff verwendet. Die an der Erdoberfläche ausstreichenden Steinkohlenflöze wurden seit dem 15. Jahrhundert abgebaut. Bis in die siebziger Jahre folgte der Steinkohlenbergbau den flachliegenden Flözen bis etwa 700 m Tiefe. Seitdem wird der Kohleabbau ausschließlich im Ostfeld in Tiefen von 1000 bis 1500 m betrieben. Die Ibbenbürener Steinkohle wurde während der Kreide-Zeit erhitzt und in hochwertigen Anthrazit umgewandelt. Die jährliche Fördermenge von rd. 2 Mio. Tonnen wird überwiegend im Kraftwerk auf dem Schafberg zur Stromerzeugung eingesetzt. Das Bergwerk Ibbenbüren ist eines von zwei verbliebenen aktiven deutschen Steinkohlenbergwerken.
In Abhängigkeit von den geologischen Verhältnissen ist auch bei den Böden eine streifenartige, von Südwesten nach Nordosten verlaufende Zonierung zu erkennen. Im äußersten Südwesten des Gemeindegebiets, einem Teil der Nordmünsterländer Sandplatten, sind auf Flug- und Niederterrassensanden ertragsarme Böden mit hohem Grundwasserstand (Gleye) weit verbreitet. Oberflächennah bildeten sich durch Humus- und Nährstoffauswaschung häufig Bleichhorizonte aus, so dass dann von Podsol-Gleyen gesprochen werden muss. Nicht selten sind auch durch künstlichen Auftrag humosen Bodenmaterials Plaggenesche entstanden. In dem nordöstlich anschließenden Brochterbecker Osningvorland entwickelten sich auf den Kalk- und Mergelsteinen der Oberkreide basenreichere Böden. Die Rücken werden von flachgründigen, trockenen Kalksteinböden (Rendzinen) eingenommen, während an den Hängen tiefgründigere Braunerden aus Fließerdematerial dominieren. Die nördlich folgende, bewaldete Kette des Teutoburger Waldes (Dörenther Osning) trägt verbreitet nährstoffarme Podsole und Braunerde-Podsole mit geringem Wasserhaltevermögen, die bereits wenige Dezimeter unter der Oberfläche in den anstehenden Unterkreide-Sandstein übergehen. Sandige bis lehmig-sandige Gleye, Podsol-Gleye und Plaggenesche, örtlich auch Niedermoore, prägen das Bild der feuchten, überwiegend landwirtschaftlich genutzten Talungzwischen Osning und Schafberg. Im östlichen Teil dieser Niederung bilden Grundmoränenablagerungen das Ausgangsmaterial für Pseudogleye, in denen sich das Niederschlagswasser auf lehmigen bis tonigen Schichten staut und nur langsam versickert. Ertragsarme, lehmig-sandige Braunerden mit nur geringem Wasserspeichervermögen beherrschen die im Norden gelegene Schafbergplatte aus Gesteinen des Oberkarbons. Östlich davon schließen sich großflächig schluffreiche Löss-Parabraunerden (Böden mit Tonverlagerung) an.
Die Grundmoräne ist ein mäßig bis gut, der Löss nur ein mäßig tragfähiger Baugrund. Fachgerechte Erdarbeiten sind in diesen bindigen Schichten sehr wichtig. In den Sand- und Kiesablagerungen der Flüsse sind größere Belastungen des Baugrunds möglich. Die darunter liegenden Tonmergel-, Kalkmergel-, Kalk- und Mergelsteine sind im allgemeinen sehr gut tragfähig und daher für Bauwerksgründungen generell gut geeignet. Auch im Verwitterungsbereich dieser Gesteine können Gründungen entsprechend den Vorgaben und Bedingungen der DIN 1054 "Zulässige Belastung des Baugrunds" vorgenommen werden. Eventuelle Bergbaueinflüsse auf Bauwerke sind bei Planungen zu berücksichtigen. Örtlich kann hochstehendes Grundwasser die Baumaßnahmen beeinflussen.
Ob im Gemeindegebiet ein vom Untergrund ausgehendes Gefährdungspotential bekannt ist, erfahren Sie auf dem Internetportal „Gefährdungspotenziale des Untergrundes in Nordrhein-Westfalen“ (GDU).
Hinweise zum geothermischen Potenzial des Untergrundes im Gemeindegebiet erhalten Sie auf dem Internetportal „Geothermie in NRW“.
Geologische Karte 1:25.000 Blatt 3611 Hopsten
Geologische Karte 1:25.000 Blatt 3612 Mettingen
Geologische Karte 1:25.000 Blatt 3711 Bevergern
Geologische Karte 1:25.000 Blatt 3712 Tecklenburg
Geologische Karte 1:100.000 Blatt 3910 Rheine
Bodenkundliche Karte 1:50.000 Blatt 3710 Rheine
Bodenkundliche Karte 1:50.000 Blatt 3712 Ibbenbüren
Hydrogeologische Karte 1:50.000 Blatt 3710 Rheine
Kostenfreie und kostenpflichtige Karten & Daten
Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen und Daten übernimmt der GD NRW keine Gewähr.
Die Text- und Karteninformationen sind stark generalisiert. Sie ersetzen weder geowissenschaftliche Untersuchungen vor Ort noch fachliche Beratung, Stellungnahmen oder Begutachtungen. Sie basieren zum großen Teil auf einer Bearbeitung aus dem Jahr 2005. Seit 2016, mit Neuauflage der Anwendung, werden die Texte aktualisiert und fehlende Gemeindebeschreibungen ergänzt.
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