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| Paläoseismologie in der Niederrheinischen Bucht |
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| Für eine Bewertung der seismischen Gefährdung in einem Erdbebengebiet
ist eine Abschätzung der dort maximal möglichen Bebenstärke
erforderlich. Der Erdbebenkatalog für die Niederrheinische Bucht,
bestehend aus instrumentellen Registrierungen in der Niederrheinischen
Bucht seit 1980 und historischen Aufzeichnungen, reicht bis in das Jahr
800 n. Chr. zurück. In diesem Zeitraum wurde die Magnitude 6 nicht
oder nur unwesentlich überschritten. Durch statistische Untersuchungen
in verschiedenen Regionen der Erde zeigt sich, dass Erdbeben größerer
Stärke in längeren zeitlichen Abständen stattfinden als
Beben geringerer Magnituden. Es ist daher denkbar, dass im vom Katalog
abgedeckten Zeitraum ein Beben der maximalen Stärke nicht erfasst
wurde. |
| Um auch die vorhistorische Zeit in diesem Erdbebenkatalog zu berücksichtigen,
werden weltweit in zunehmendem Maß Studien zur Paläoseismologie
(paläo = alt; Seismologie = Erdbebenkunde) vorgenommen. Dabei wird
nach Spuren vergangener Starkbeben gesucht, die sich entlang von Verwerfungsflächen
ruckartig bis an die Erdoberfläche durchgepaust haben und in der
geologischen Struktur konserviert sind. Mit dieser Methodik konnten Wissenschaftler
Anhaltspunkte für mehrere Starkbeben an der Feldbiß-Verwerfung
in Belgien ableiten. Das letzte große Beben wurde dabei mit einer
Magnitude von 6,3 für den Zeitraum 610 890 n. Chr. bestimmt. |
Wissenschaftler versuchen zu klären, ob in der Niederrheinischen
Bucht noch stärkere Beben aufgetreten sind.
Für den Schutz der Bevölkerung und die erdbebensichere Auslegung
von industriellen Großanlagen muss die maximal zu erwartende Stärke
eines Erdbebens und seine statistische Wiederkehrzeit berücksichtigt
werden. Entdecken die Geologen eindeutige Spuren starker Schadensbeben
mit einer Stärke von mehr als 6,5 auf der Richter-Skala, müssen
bestehende Regeln für erdbebensicheres Bauen überprüft
und gegebenenfalls ergänzt werden. |
| Nachdem im Rahmen des EU-Forschungsvorhaben „PALEOSIS" von
1998 bis 2000 erste paläoseismologische Untersuchungen durchgeführt
wurden, sollten die hierbei gewonnen Erkenntnisse im Jahr 2004 durch
weitere Untersuchungen an zwei Schürfen bei Merzenich und Metternich
verdichtet werden. |
| Voraussetzungen für einen geeigneten Untersuchungsstandort
sind dabei |
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ein möglichst noch heute aktiver Sprung
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eine möglichst genaue Lagebestimmung des Sprungs
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Vorhandensein holozänzeitlicher Kolluvien, um ein Zeitfenster
von ca. 10 000 Jahren zu erfassen und schließlich
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eine Lage außerhalb des Grundwasserabsenkungsbereiches der Braunkohlentagebaue,
um keine künstlich verursachten Störungen zu erfassen
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| Die Untersuchungen verfolgen diese Ziele |
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Abschätzung des lokalen und regionalen Erdbebengefährdungspotenzials
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Richtplanung zur präventiven Risikoverminderung
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Überprüfung der Sicherheit von Bauwerken mit hohem Infrastrukturwert
und mit hohem Sekundärrisiko
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