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Wie haben die Wälder in Nordrhein-Westfalen in historischer
und prähistorischer Zeit einmal ausgesehen?
Wie wird die Vegetation in Zukunft einmal aussehen?
Um diese und mehr Fragen beantworten zu können, muss man
sich mit der potenziell vorkommenden natürlichen Vegetation
befassen.
Doch die ursprünglich vorkommenden natürlichen Eichenmisch-wälder
und Buchenwälder gibt es hier zu Lande nicht mehr. Vielmehr
hat der Mensch die vegetationsgeschichtliche Entwicklung, insbesondere
durch Rodungen, so stark beeinflusst, dass von einer natürlichen
Vegetation in Mitteleuropa und darüber hinaus nicht mehr
die Rede sein kann.
Der menschliche Einfluss ist dabei nicht erst seit wenigen Jahrzehnten markant. Schon für die Jungsteinzeit, um 3 000 v. Chr., ist Ackerbau nachweisbar. Der Wald wurde damals, wie auch zur römischen Kaiserzeit oder im Mittelalter, als Weide für das Vieh genutzt (z. B. zur Eichelmast für die Schweinen) sowie als Lieferant für Holzbaustoff und Energie. Die mitteleuropäische Vegetationsgeschichte wird damit weitgehend zu einer Waldgeschichte. Dort, wo die Wälder ganz verschwanden, entstanden neue Vegetationsarten wie Wiesen und Weiden.
Die historische Vegetationsanalyse mittels Pollenuntersuchungen wird vor diesem Hintergrund zur Lösung verschiedener Fragestellungen herangezogen. In Zusammenarbeit mit der Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten (LÖBF) wird eine Übersicht der potenziell natürlichen Vegetation, zunächst in Westfalen und Lippe, erarbeitet. Dabei wird zu ihrer Ermittlung die Vegetation zur Völkerwanderungszeit rekonstruiert. Bedingt durch die Wirren dieser unruhigen Zeit hatten die Menschen kaum Zeit Ackerbau und Viehzucht zu treiben. So konnten sich die Wälder ungestört ausbreiten. Pollenprofile geben einen Einblick in die Vegetation dieser Zeit. Um die reellen Anteile der einzelnen Bäume an der damaligen Vegetation rekonstruieren zu können, bedarf es jedoch eines Korrektivs, um aus den Pollenverteilungen die Baumverteilung zu ermitteln. Diese Korrekturfaktoren lassen sich nur durch Pollen- und Vegetationsanalysen in der Gegenwart ermitteln.
Inzwischen ist die Vegetationsanalyse auch wesentlicher Bestandteil archäologischer Arbeiten. Sie erlaubt Aussagen zur Flächennutzung als Acker, Weide oder Wald in verschiedenen geschichtlichen Epochen.
Beispielsweise konnte die Vegetationsanalyse wichtige Informationen im Rahmen folgender provinzialrömischer Fragestellung liefern:
Mussten die Römer um Christi Geburt auf ihren Eroberungs-märschen
ins rechtsrheinisches Gebiet Urwälder durchdringen, wie
es die Berichte des Tacitus implizieren? Oder war diese Gegend
bereits zur damaligen Zeit kultiviert?
Zur Lösung dieser Frage wurden längs der Lippeniederung
Pollenprofile untersucht. Das Pollenprofil „Haus Ostendorf“
in der Nähe des damaligen Römerlagers Haltern belegt
exemplarisch, dass das rechtsrheinische Gebiet schon lange vor
dem Einmarsch der Römer in weiten Bereichen von den Germanen
und Kelten kultiviert worden war. Es wechselten auf kurzer Distanz
Weiden, Wiesen, Äcker und Wälder.
Die Pollenanalyse konnte mithin diese seit Jahren ungeklärte Frage eindeutig beantworten.

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