|
09.12.2003 Deutschlandfunk-online
|
|
Reinigende Flammenmeere als Öko-Regulator
Waldbrände waren oft Startpunkte für einen biologischen
Neubeginn
Von Dagmar Röhrlich
|
|
Paläontologie. Bei Waldbränden
denkt man schnell an erschreckende Bilder von Feuerwalzen wie kürzlich
aus Südeuropa oder den USA. Waldbrände sind aber nicht nur
schrecklich, sie sind vielmehr wichtige Bestandteile des natürlichen
Geschehens, weil sie Wälder verjüngen und die Artenvielfalt
fördern. Im Grunde brennt ständig irgendwo auf der Welt ein
Wald, auch wenn das in der Taiga sehr viel seltener passiert als in
Australien. Allerdings ist dieses heute so verbreitete Phänomen
in der Erdgeschichte kaum auszumachen. Dass es sie gegeben hat, konnten
Geologen erstmals 1992 nachweisen. Der ältesten heute bekannte
Waldbrand ist 360 Millionen Jahre alt. Nur wenig jünger ist der
zweitälteste, der kürzlich bei einer Bohrung im Bergischen
Land bei Köln entdeckt worden ist. Und dieser Brand verrät
viel über eine längst untergegangene Welt, wie eine Wissenschafts-Pressekonferenz
erläuterte.
|
Waldbrände sind eine ungeheure Naturgewalt: Und doch gibt es sie
erst seit etwa 365 Millionen Jahren. Davor fehlte schlicht das Brennmaterial,
schließlich war es geologisch erst einen Augenblick her, dass Holz
und damit Bäume erfunden worden waren. Der mit 355 Millionen Jahren
zweitälteste Waldbrand, den wir kennen, ist in der Paffrather Mulde,
rund 30 Kilometer östlich von Köln. Damals brandete dort ein
Ozean an eine bewaldete Küste. Durch Blitzschlag oder Selbstentzündung
gerieten die Bäume in Brand. Die Flammen fraßen sich durch
den Wald, verwandelten ihn in Holzkohle. Regen und Bäche spülten
sie in eine ruhige Bucht des nahen Meeres, wo sie zu Fossilien wurden.
Bis heute zeigt diese Holzkohle dreidimensional feinste Details einer
längst entschwundenen Welt, die sich im Rasterelektronenmikroskop
untersuchen lässt, erläutert Christoph Hartkopf-Fröder
vom Geologischen Dienst Nordrhein-Westfalen:
„Das heißt,
wir können mit speziellen Rasterelektronenmikroskop, mit Vergrößerung
um die 10.000-fach, problemlos feinste Strukturen, die kleiner sind als
ein Tausendstel Millimeter, wirklich noch untersuchen. Sie sind von der
Form und von der Gestalt im Original wie tatsächlich im Oberdevon.“
|
|
„Das heißt, wir können mit speziellen Rasterelektronenmikroskop,
mit Vergrößerung um die 10.000-fach, problemlos feinste Strukturen,
die kleiner sind als ein Tausendstel Millimeter, wirklich noch untersuchen.
Sie sind von der Form und von der Gestalt im Original wie tatsächlich
im Oberdevon.“
|
|
Am Bildschirm des computergestützten Mikroskops unter suchen die
Paläobotaniker ihre dreidimensionalen Fossilien. Es sind die Reste
von Zweigen, Blättern oder Sporenbehältern. Obwohl alle nur
wenige Milimeter groß sind, lassen sie sich identifizieren. Nach
der Erfindung der Bäume hatten sich die Wälder schnell über
die Erde ausgebreitet. Der wichtigste Baum war der tief wurzelnde Archaeopteris,
der sich mit Farnen, Schachtelhalmen und Bärlapp-Gewächsen
aus einem unbekannten Urahn entwickelt hatte:
|
|
„Man muss sich das vorstellen, dass dann Bäume von bis zu
40 Metern Höhe auch dabei waren, die ersten wirklich großen
baumähnlichen Pflanzen, darunter Archaeopteris Bäume, aber
auch viele kleine buschähnliche Pflanzen, wie zum Beispiel Racophyton.“
|
|
Das sind stark verzweigte Büsche, die bis zu zwei Meter hoch werden
konnten, aber nur sehr flache Wurzeln hatten. Vor 370 Millionen Jahren
wuchsen im Raum Köln Pflanzen, die zu den Nacktsamern gehören
wie etwa der Gingko heute.
|
|
„Die Wälder waren damals noch nicht sehr artenreich, verglichen
mit den heutigen Wäldern. Es gab aber auch damals schon gewisse
ökologische Nischen, wo dann bestimmte Pflanzen bevorzugt wuchsen,
farnähnliche Pflanzen etwa.“
|
|
Insgesamt haben die Paläontologen zehn verschiedene Pflanzenarten
identifiziert. Und obwohl sich das nicht mit modernen Wäldern
vergleichen lässt, ist es doch mehr als von den Paläobotaniker
erwartet waren Bäume doch die neueste Erfindung der Natur:
|
|
„Das ist eine erstaunliche Diversität, denn wir reden von
einer einzigen Fundstelle, und wo natürlich auch wahrscheinlich
nur ein Ökosystemen überliefert worden ist. Wenn man also an
anderen Stellen der gleichen Zeit das untersuchen würde, und man
würde dort auch Holzkohle finden, kann man nicht davon ausgehen,
dass dort exakt die gleichen Pflanzen gestanden haben, weil es vielleicht
eine andere ökologischen Nische war, da würde man jetzt ganz
andere Pflanzen finden.“
|
|
Was die Holzkohle noch verrät, ist das Kölner Klima vor 355
Millionen. Denn an den Blattresten sind Spaltöffnungen für
den Gasaustausch zwischen Pflanze und Luft. Sie liegen an der Blattunterseite
und sind besonders vor Verdunstung geschützt: Das heißt: Es
war heiß und es gab immer wieder große Dürren. Denn
mit ihren flachen Wurzeln waren Büsche wie Racophyton, der ja das
Unterholz der Wälder bildete, besonders anfällig für Trockenzeiten.
Er verdorrte schnell und da hatten die Flammen leichtes Spiel.
|
© Deutschlandradio 2003
Alle Rechte vorbehalten
|
|
|
|
|
|
|
|
Feuerwalzen sind auch ein Neubeginn der Natur. (Foto: ucar.edu)
|
|
|