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Boden des Jahres – 2012: Niedermoor

Das Kuratorium „Boden des Jahres“ hat für dieses Jahr mit dem Niedermoor einen Boden ausgewählt, der besonders sensibel auf Änderungen seines Wasserhaushaltes reagiert. Da der Mensch – vor allem in dicht besiedelten Gebieten wie NRW – auf vielfältige Weise in den Wasserhaushalt eingreift, sind Niedermoore davon im besonderen Maße betroffen.

Niepkuhlen bei Krefeld

Die ehemals torfgefüllten Niepkuhlen bei Krefeld
verlanden nach Abtorfung im 19. Jahrhundert jetzt erneut.

 

Niedermoore sind organische Böden, die entstehen, wenn Grund- oder Oberflächenwasser im langfristigen Mittel nahe an, in oder über der Oberfläche steht. Nur dann wird die anfallende Biomasse aus Wurzeln, Ästen, Blättern und Sprossen nicht vollständig zersetzt und als Torf akkumuliert. In NRW sind Niedermoore seit dem Ausklingen der letzten Kaltzeit vor mehr als 10 000 Jahren durch Verlandung offener Gewässer (Niepkuhlen, Krickenbecker Seen), Versumpfung bei ansteigendem Grundwasser (Schwalmtal, Täler der Nette und der Renne), durch Überflutung an den Rändern von Talauen sowie kleinflächig durch Überrieselung an Hängen und Quellen (Mittelgebirge) entstanden. Dabei besteht der Torf je nach aufwachsender Vegetation vor allem aus Holzresten, Torfmoosen, Gräsern, Schilf, Binsen, Fieberklee, Schachtelhalm und Farnen. Aus diesem Grund sind intakte Niedermoore hervorragende Archive der Landschafts- und Klimageschichte. Niedermoore speichern etwa 15 – 20 mal mehr Kohlenstoff als mineralische Sickerwasserböden.

Sobald der Wasserstand im Moorkörper sinkt, wird das Torfmaterial belüftet und stärker abgebaut. Dieser Torfschwund führt zu einer Moorsackung um 0,5 – 3 cm pro Jahr sowie zur Freisetzung von Stoffen in die Atmosphäre und zur Verlagerung ins Grundwasser. Aus ursprünglichen naturnahen Niedermooren mit intaktem Wasserhaushalt entwickeln sich bei lang anhaltender Grundwasserabsenkung Erd- und Mulmniedermoore.

Die digitale Bodenkarte von NRW im Maßstab 1 : 50 000 weist weniger als 1 % der Landesfläche als Niedermoorböden mit mehr als 30 cm Torfmächtigkeit aus. Über den Flächenanteil intakter Niedermoore mit Torfwachstum im Vergleich zu entwässerten Mooren (Erd- und Mulmniedermoore mit Torfabbau) liegen für NRW keine belastbaren Daten vor. Für Deutschland wird ihr Anteil auf 1 bis 1,5 % an der Niedermoorgesamtfläche geschätzt. Etwa 70 % der Niedermoorflächen in Deutschland werden landwirtschaftlich genutzt. Entwässerte Niedermoore emittieren große Mengen an Treibhausgasen (Kohlendioxid, Methan, Lachgas). Nach ersten Kalkulationen des Instituts für Agrarrelevante Klimaforschung beträgt diese Treibhausgas-Emission in Deutschland pro Jahr etwa 46 Millionen Tonnen (berechnet als CO2-Äquivalente). Das entspricht mehr als 5 % der gesamten deutschen Treibhausgas-Emission. Dieser hohe Anteil zeigt, wie wichtig die Erhaltung und der Schutz der Niedermoore sind.

Niedermoore sind Standorte seltener Pflanzen- und Tiergemeinschaften. Bei extensiver Nutzung als Feuchtgrünland und nur mäßiger Wasserabsenkung spielen sie eine wichtige Rolle als Vogelschutzgebiete. Aus bodenkundlicher Sicht sind intakte Niedermoore mit Torfwachstum in hohem Maße schutzwürdige Naturkörper, genauso wie seltene Pflanzen und Tiere. Der renommierte Moorkundler Michael Succow schreibt im Fachbuch „Landschaftsökologische Moorkunde“: „Moore haben ihre einstige Wirkung als unter humiden Klimabedingungen wichtigste Senke im Landschaftsgefüge weitgehend verloren. Aus den einstmals ‚entsorgenden Ökosystemen’ wurden kurzfristig hochgradig belastete und belastende Ökosysteme, ‚Sourcen’. Damit wird der Erhalt bzw. die Wiederherstellung dieser Funktion der Moorökosysteme – soweit dies noch machbar – zu einer der entscheidenden Naturschutzstrategien in unseren Kulturlandschaften.“ Er fordert einen unabdingbaren Erhalt der noch Torf bildenden Moore, eine generelle Revitalisierung entwässerter Moore sowie  moorschonende Formen der Flächennutzung zum Erhalt der Torfspeicherung. Als Basis  eines entsprechend effizienten Moorschutzes in NRW ist eine großmaßstäbige Moorzustandserfassung die Voraussetzung. Diese steht bisher noch aus.

 

Erdniedermoor mit Kalkanreicherung bei Hückelhoven

Stark entwässertes Erdniedermoor
mit Kalkanreicherung bei Hückelhoven

Mulmniedermoor bei Linnich

Mulmniedermoor bei Linnich,
nach lang andauernder Entwässerung pulvrig staubig zersetzt

 

Wenden Sie sich an:

  • Dipl.-Geol. Dr. Krahn
  • Fon: +49 (0) 2151 897-239
  • Dipl.-Geogr. Baumgarten
  • Fon: +49 (0) 2151 897-336
  • Fax: +49 (0) 2151 897-505
  • geoinfo@gd.nrw.de

 

Poster Boden des Jahres 2012 – Niedermoor

Poster zum "Boden des Jahres 2012 – Niedermoor"

Erdniedermoor bei Minden

Flach entwässertes Erdniedermoor in der Bastauniederung bei Minden

Niedermoor Ederquelle

Intaktes Niedermoor mit Torfwachstum, stark zersetzter Torf, vom Quellwasser der Eder durchrieselt

Nährstoffreiches Niedermoor im Schwalmtal bei Niederkrüchten

Nährstoffreiches Niedermoor im Schwalmtal bei Niederkrüchten, Erlenbruch mit flächendeckender Großsegge

Stelzenbildung, Niedermoore am Kloster Knechtsteden

Nach tief reichender Entwässerung sind die nährstoffreichen Niedermoore am Kloster Knechtsteden durch Torfschwund um ca. 50 cm gesackt. Dabei wurden die Wurzeln der Erlen stelzenartig freigelegt

Flyer zum "Boden des Jahres 2012 – Niedermoor"

Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen – Landesbetrieb –
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