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Die Mittelgebirgslandschaft des Rothaargebirges befindet sich an der südöstlichen Grenze Nordrhein-Westfalens. Der markante Gebirgsrücken ist Teil des rechtsrheinischen Schiefergebirges und erstreckt sich über eine Fläche von 1 355 km 2 etwa von Brilon im Norden bis Dillenburg im Süden. Die höchsten Berge des teils stark zerschluchteten Rothaargebirges bilden der Langenberg (843 m) bei Willingen und der bekannte Kahle Asten (841 m) bei Winterberg.
Geologischer Überblick und Lage
der Geo-Informationstafeln am Rothaarsteig
Entlang des Höhenkamms des Rothaargebirges verläuft der Rothaarsteig durch die unberührte Natur einer herrlichen Waldgebirgslandschaft. Der 154 km lange Wanderweg führt den interessierten Wanderer zu zahlreichen natürlichen und kulturellen Sehenswürdigkeiten der Region, wie beispielsweise faszinierende geologische Aufschlüsse, naturbelassene Quellen und mittelalterliche Burgen.
Die beiden Einstiegspunkte in den Rothaarsteig liegen bei Brilon im Sauerland und Dillenburg in Hessen. Der Höhenwanderweg bietet den Wanderern außerdem besondere Rastplätze, wie speziell entworfene Ruhebänke, Waldliegen, Waldsofas und Vesperinseln. Eine weitere Attraktion bildet der Waldskulpturenweg Wittgenstein-Sauerland, an dessen Verlauf verschiedene Kunstwerke die Verbindung zwischen Mensch und Natur und die Prägung der Kulturlandschaft widerspiegeln.
Der Wanderer findet entlang des Rothaarsteigs verschiedene erlebnisorientierte Präsentationen mit informativen Schautafeln zu unterschiedlichen Themenbereichen. Seit 2004 informieren dort acht anschauliche Informationstafeln, die der GD NRW entworfen hat, über geologische und bodenkundliche Sehenswürdigkeiten am Rothaarsteig.
Die Gesteine des Rothaargebirges stammen größtenteils aus der Devon-Zeit, an wenigen Stellen auch aus der Karbon-, Tertiär- und Quartär-Zeit. Sie unterlagen langwierigen Gesteinsbildungsprozessen. Dabei entstanden im Laufe von Jahrmillionen Tonschiefer aus marinem Tonschlamm, Sandsteine und Quarzite aus marinem Sand und aus vulkanischen Laven entstanden verschiedene Vulkangesteine.
An mehreren Stellen des Rothaargebirges finden sich vulkanische Gesteine und Aufschlüsse.
Beginnt die Rothaarsteig-Wanderung bei Brilon, erreichen sie noch am gleichen Tage die Bruchhauser Steine. Diese fünf markanten Felsklippen sind Quarzporphyre, sehr harte vulkanische Ergussgesteine, die sich vor allem aus den Mineralen Quarz und Feldspat zusammensetzen. Sie sind Relikte eines Vulkans, der vor etwa 385 Millionen Jahren in der Devon-Zeit ausbrach.
Zu dieser Zeit erstreckte sich über das gesamte Gebiet des heutigen Rheinischen Schiefergebirges ein weites Meer. Das Ergussgestein stieg an Spalten aus dem Erdinneren empor und es kam bei der Berührung mit dem Meerwasser zu gewaltigen Explosionen. Im Folgenden erstarrte die quarzitische, zähflüssige Schmelze domartig über der Ausbruchsstelle. In der Oberkarbon-Zeit vor etwa 290 Millionen Jahren kam es dann zu Bewegungen der Erdkruste und der Gebirgsbildungsprozess setzte ein.
Die verfestigten Meeresablagerungen aus der Devon-Zeit wurden gefaltet, zerbrochen und herausgehoben. Es entstand das Rheinische Schiefergebirge. Im Laufe der Jahrmillionen verlor dieses Gebirge jedoch durch Verwitterung und Abtragung wieder an Höhe, sodass das härtere Gestein der Bruchhauser Steine aus seiner Umgebung herausmodelliert wurde.
Wandern Sie nun von den Bruchhauser Steinen weiter Richtung Süden, wird bald schon von weitem der Clemensberg (Informationstafel 1) sichtbar. Auch diese Erhebung besteht aus vulkanischem Gestein, welches aber einen völlig anderen Chemismus aufweist als der Quarzporphyr der Bruchhauser Steine. Der Clemensberg ist aus basaltischem Gestein aufgebaut, dem sogenannten Diabas (Metabasalt).
Ähnlich dem Quarzporphyr entstanden auch die Diabase des Rheinischen Schiefergebirges in der Devon-Zeit. Es drangen hier jedoch dünnflüssige Laven in die am Meeresboden abgelagerten Ton- und Sandschichten ein (Intrusiv-Diabase). Nach den gebirgebildenden Prozessen wurde auch der Clemensberg aus seiner Umgebung herauspräpariert und ist eindrucksvoller Zeuge seiner ehemaligen vulkanischen Tätigkeit.
Der Diabas ist ein sehr hartes und verwitterungsbeständiges Gestein, das heute überwiegend im Straßen- und Wegebau verwendet wird und daher am Clemensberg über mehrere Sohlen abgebaut wird.
In Mitteleuropa verhüllt meist eine mehr oder weniger dicke Bodenkrume die darunter liegenden Gesteine. Eingriffe des Menschen in den Untergrund, wie zum Beispiel Steinbrüche, bieten jedoch die Möglichkeit, die vor Ort anstehenden Gesteine zu erkunden und geologisch zu erforschen.
Der Steinbruch „Wagenschmier“ (Informationstafel 2) bietet einen idealen Quereinstieg zum Rothaarsteig und dem ermüdeten Wanderer einen bequemen Rastplatz. Die hier verlaufende Heidenstraße war im Mittelalter eine wichtige Verbindung zwischen dem Rheinland, Thüringen und Sachsen und auch in damaligen Zeiten legten Reisende hier oft Rast ein, wenn auch häufig unfreiwillig. Das im Untergrund lagernde, lehmige Lockergestein wurde bei Nässe oft glatt und glitschig, sodass viele Fuhrwerke tief in den Untergrund einsanken. Daher rührt wahrscheinlich der Name „Wagenschmier“.
Der hier zu erkundende Bänderschutt ist ein junges Lockergestein, das sich aus devonischen, schwach verlehmten kleinen Schieferplättchen zusammensetzt und erst durch Abtragungsvorgänge während einer Eiszeit vor etwa 1 Mio. Jahren entstanden ist. Durch die unterschiedliche Größensortierung entstand eine deutlich sichtbare Bänderung des Gesteins. Die Informationstafel 2 am Steinbruch „Wagenschmier“ erklärt auf anschauliche Weise die Entstehung dieser Ablagerungen während des Pleistozäns und gibt Auskunft über die typische Dachziegellagerung des Bänderschutts.
Im Steinbruch „Drei Fichten“ (Informationstafel 5) wurden früher Ton- und Schluffsteine abgebaut, um damit die Forstwege der näheren Umgebung zu beschottern.
Der Aufschluss lässt deutlich die Sattelstruktur der Gesteinsschichten erkennen. Diese Aufwölbung entstand während des Gebirgsbildungsprozesses vor etwa 300 Mio. Jahren. Durch enormen Druck wurden die Gesteinsschichten des Rheinischen Schiefergebirges zusammengeschoben und gefaltet. Gleichzeitig kam es im Gestein zu Umkristallisation und Neubildung von blättchenförmigen Tonmineralen, die sich senkrecht zur Druckrichtung einregelten. Entlang dieser Einregelungsrichtung besitzen die Ton- und Schluffsteine eine erhöhte Spaltbarkeit, die sogenannte Schieferung.
Schichtung und Schieferung der Gesteine
Während normalerweise die Schieferungen der Tonsteine parallel zueinander verlaufen, spreizen sie im Bereich von Mulden oder Sätteln meiler- bzw. fächerförmig auf.
Fächer- und Meilerstellung in gefalteten Schichten
An den Aufschlusswänden des Steinbruchs an der Siegquelle (Informationstafel 6), in dem einst Material zum Wege- und Straßenbau gewonnen wurde, gibt die Vegetation auch viele Jahre nach Stilllegung des Abbaus einzelne Stellen frei, an denen die Gesteinsschichten gut zu erkennen sind. Hier erkennen Sie deutlich die Bänke aus Sandstein, die sich abwechseln mit dünnen Lagen aus geschiefertem Ton- und Schluffstein, so genannter „Schiefer“.

Sandstein aus dem Unterdevon im Steinbruch
an der Siegquelle
Verschiedene charakteristische Merkmale im Gestein ermöglichen es dem Geologen, Rückschlüsse auf den Ablagerungsraum der Sedimente zu ziehen.So finden wir beispielsweise auf der Sohle dieses Steinbruchs wellenförmige Erhebungen und Vertiefungen. Diese als Wellenrippeln bezeichneten Strukturen findet man häufig dort, wo heute große Flüsse mit breiten Mündungstrichtern ihre Sedimentfracht ins Meer abladen. Solche Deltabereiche, wie z. B. das Nildelta, zeichnen sich durch eine geringe Wassertiefe aus, so dass der Wellengang auf dem Meeresboden Wellenrippeln ausbilden kann.
Und in der Tat stehen sie im Steinbruch an der Siegquelle auf versteinerten Wellenrippeln eines versteinerten Meeresbodens, die das Devon-Meer vor ca. 390 Mio. Jahren schuf.
Der Diabas am Clemensberg als PDF-Download
Im südlichen Abschnitt folgt der Rothaarsteig in einer Höhe deutlich über 500 m über viele Kilometer der Haincher Höhe. Diese verdankt ihre exponierte landschaftsprägende Stellung harten quarzitischen Sandsteinen, die im Untergrund lagern.
Die Entstehung dieses Sandsteins geht ebenfalls auf Meeresablagerungen aus der Devon-Zeit zurück. Der hier als „quarzitisch“ bezeichnete Sandstein zeichnet sich durch einen hohen Anteil an Quarzkörnern aus, die untereinander mit Kieselsäure verkittet sind. Quarzitische Sandsteine besitzen eine besondere Härte und eine große Widerstandskraft gegenüber Verwitterungseinflüssen. Schon früher war der harte, gut spaltbare Sandstein deshalb bei den Handwerkern sehr begehrt.
Aufgrund der Mächtigkeiten des Sandsteins im Steinbruch „auf der Tiefenrother Höhe“ fand er als Werkstein eine vielseitige Verwendung. Die behauenen Stücke und Platten wurden als Sockelsteine von Grundmauern, als Türschwellen und Türstürze und zum Ofenbau verwendet. In jüngerer Zeit wurden sie überwiegend im Garten- und Landschaftsbau eingesetzt. Der Steinbruchbetrieb wurde im Jahr 2008 endgültig eingestellt.
Im südlichen Abschnitt folgt der Rothaarsteig in einer Höhe deutlich über 500 m über viele Kilometer der Haincher Höhe. Diese verdankt ihre exponierte landschaftsprägende Stellung harten quarzitischen Sandsteinen, die im Untergrund lagern.
Bei dem ehemals im Bereich der Tongrube „Auf dem Kreuz“ anstehenden Gestein handelte es sich um devonische Schluff- und Tonsteine. Diese unterlagen jedoch in der Tertiär-Zeit einer intensiven Verwitterung, ausgelöst durch das damals in Mitteleuropa herrschende subtropische Klima. Der Verwitterungsprozess reichte bis in eine Tiefe von 20 – 30 m und die Gesteine wurden physikalisch und chemisch umgewandelt. Es kam zur Kaolinisierung. Dabei entstand ein weiches Gestein, das überwiegend aus dem Mineral Kaolinit besteht, einem Gemisch aus Aluminiumoxid und Siliziumoxid.
Auf Grund seiner bindigen Konsistenz wird Kaolin als Rohstoff zur Porzellanherstellung verwendet und ist daher ein begehrter Bodenschatz.Die Informationstafel 8 an der Kaolin-Tongrube „Auf dem Kreuz“ gibt zudem Auskunft darüber, warum der weiche Kaolin hier nicht der Abtragung des Eiszeitalters zum Opfer fiel.
Boden ist die oberste, etwa 2 m mächtige, belebte lockere Schicht unter der Erdoberfläche. Er besteht aus mineralischen Bestandteilen wie Steinen, Sand und Ton, aus organischen Substanzen wie Wurzeln und Blättern sowie aus lebenden Organismen und aus Wasser sowie Luft. Da der Boden den Standort für die Pflanzen bildet, ist er auch eine der wichtigsten Lebensgrundlagen für Tiere und Menschen.
Bei den Böden des Rothaargebirges und damit entlang des Rothaarsteigs handelt es sich vorwiegend um Braunerden. Diese Böden sind wenig von Grundwasser oder Staunässe beeinflusst. Die Braunfärbung entsteht durch die Oxidation von Eisen bei der Verwitterung der Gesteine. Die Böden am Rothaarsteig zeigen ein breites Farbspektrum der Braunfärbung. Mit steigendem Anteil von Lösslehm wird die Braunfärbung heller und vermehrt ockerbraunfarben.
Typisch für ein Mittelgebirge ist der hohe Humusanteil im Boden. Von den Bäumen herabfallende Nadeln und Blätter werden durch Bodenorganismen wie z. B. Asseln, Regenwürmern und Bakterien und Pilzen zerkleinert und abgebaut. Durch den so entstandenen Humus werden die in den Pflanzenresten enthaltenen Nährstoffe dem Boden und den Pflanzenwurzeln wieder zur Verfügung gestellt. Es entsteht ein Nährstoffkreislauf.
Warum es am Rothaarsteig manchmal zu einem gehemmten Streuabbau kommt, erklären die Informationstafeln 3 und 4 am Rhein-Weser-Turm.

Bodenprofil einer Braunerde
Für den Wanderer gibt es den „ErlebnisWanderführer Rothaarsteig“ vom Rothaarsteig-Verein e. V. im Taschenformat. Der Wanderführer bietet Texte, Fotos und Kartenmaterial an. Es finden sich außerdem unterschiedliche Routenvorschläge und die verschiedenen Haupt- und Zugangswege sind detailliert aufgeführt.
Zusätzlich hierzu befindet sich derzeit ein geologischer Wanderführer im Taschenformat in Vorbereitung, der vom GD NRW erstellt wird. Der Wanderführer soll dem interessierten Wanderer sämtliche geologischen Besonderheiten am Rothaarsteig näher bringen. Insgesamt werden rund 80 Geologische Punkte entlang des Wanderwegs beschrieben.
Und ein Besuch folgender Internetseiten ist empfehlenswert:
Kaolin-Tongrube „Auf dem Kreuz“ als PDF-Download
Böden zeigen ihr Gesicht als PDF-Download
ErlebnisWanderführer Rothaarsteig©
Diese Seite hat Regina Erbi während eines Praktikums beim GD NRW redaktionell erstellt.
Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen Landesbetrieb
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