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Presse-Info, 16.11.2022

 

Der Geologische Dienst NRW bohrt in Gevelsberg

Für eine 80 m tiefe Kernbohrung im Grünewald Park von Gevelsberg haben in dieser Woche die Arbeiten begonnen. Die Fachleute vom Geologischen Dienst NRW in Krefeld erwarten von der Bohrung wichtige, noch fehlende Erkenntnisse zum Aufbau des Untergrundes in der Region.

Ob Grundwasserschutz, Erdwärmenutzung, Planungsdaten zum Untergrund oder auch das Erkennen potenzieller Geogefahren: Viele Vorhaben können ohne die Daten des Geologischen Dienstes NRW (GD NRW) nicht durchgeführt werden. Er betreibt die geologische Landesaufnahme für das gesamte Bundesland NRW und erhebt geowissenschaftliche Grundlagendaten. Bohrkerne liefern dabei ungestörte Proben, an denen neben der Sedimentabfolge auch zu sehen ist, wie die Schichten im Untergrund lagern und ob sie von Verwerfungen durchzogen werden. Dies sind dringend notwendige Referenzdaten, um die Verbreitung, Mächtigkeit und den Aufbau der Gesteinsschichten im Untergrund zu erfassen und in geologischen Karten und Informationssystemen darzustellen.

Aktuell erkundet der GD NRW im Auftrag des Landes das Potenzial für hydrothermale Geothermie in Nordrhein-Westfalen. Im Zuge dieser Untersuchungen stehen besonders Karbonatgesteine im Fokus, die aufgrund ihrer Tiefenlage und Wasserführung ein hohes geothermales Potenzial besitzen können. In Gevelsberg befinden sich Kalksteine im Untergrund, deren Lage und Struktur nur wenig bekannt sind und die zuletzt zu Beginn des vorherigen Jahrhunderts untersucht worden sind. Mit der Kernbohrung sollen diese Gesteinsschichten nun näher erforscht werden. Bei der für die Dauer von ca. 3 Wochen geplanten Bohrung werden durchgehend Gesteinskerne gewonnen. Diese werden von den Fachleuten des Geologischen Dienstes NRW in Krefeld anschließend wissenschaftlich untersucht und unter dem Aspekt einer Eignung für eine mögliche geothermale Nutzung bewertet.

Im Bereich der geplanten Bohrung sind in den oberen Metern zunächst jüngere Sedimente zu erwarten, die von der Ennepe abgelagert worden sind. Diese Lockergesteine – hauptsächlich Sande – stammen aus dem Oberpleistozän und sind bis zu 115.000 Jahre alt. Unter diesem Material folgt das Festgestein aus dem Devon. Diese Schichten sind bereits über 376 Millionen Jahre alt und bestehen aus Kalk- und Sandsteinen. Die Kalksteine wurden in der Urzeit von Korallen und anderen Organismen aufgebaut. Wer die Kalksteine einmal an der Erdoberfläche sehen möchte, kann dies im Südwesten von Wuppertal sowie im Nordosten von Hagen tun. Hier treten sie großflächig in alten und aktiven Steinbrüchen auf und sind daher gut bekannt. Im Bereich Gevelsberg ist die Situation jedoch anders. Aufgrund einer sogenannten geologischen Aufschiebung, der Ennepe-Störung, tritt der Kalkstein nur in schmalen Bereichen an der Oberfläche auf. Die Bohrung soll nun Erkenntnisse über die Verbreitung und Mächtigkeit des Kalksteins sowie Probenmaterial liefern.

Für die Nutzung von Kalkstein als geothermisches Reservoir sind Kenntnisse über die Eigenschaften und Verbreitung der in NRW vorhandenen Kalksteine unabdingbar. “Anhand der Bohrkerne, die uns die Bohrung zutage liefern wird, erhalten wir wichtige Erkenntnisse zum Aufbau, zur Lagerung und zur Mächtigkeit des Gesteins“, so der Geologe Sören Stichling.

„In unseren eigenen Laboratorien in Krefeld untersuchen wir die gewonnenen Bohrkerne auf Wärmeleitfähigkeit, Korngröße und ihre chemische Zusammensetzung, führen aber auch mikropaläontologische Analysen zur Gesteinsdatierung durch.“, erläutert Stichling weiter. Zusammen mit Messungen im Bohrloch und einem Pumpversuch zur Ermittlung von Durchlässigkeiten liefert diese Bohrung den Wissenschaftlern viele wichtige Parameter für die geothermale Charakterisierung des Untergrundes.

Alle Ergebnisse fließen in einem Geo-Informationssystem zusammen. Gerade im Hinblick auf zukunftsweisende Planungen sind geologische Informationen unverzichtbar, zum Beispiel für die Nutzung von klimaschonender und umweltfreundlicher Erdwärme, die ohne Kenntnisse des Untergrundes und der Gesteinseigenschaften nicht möglich wäre. Auch für den Schutz unseres kostbaren Grundwassers sind Geo-Daten erforderlich.

Die Bohrung in Gevelsberg steht der Presse gerne nach Absprache zum Besuch offen. Vor Ort besteht die Möglichkeit zu Interviews. Bitte vereinbaren Sie einen Termin!

 

Wir über uns

Der Geologische Dienst NRW ist die geowissenschaftliche Einrichtung des Landes NRW. Wir erforschen den Untergrund und die Böden in NRW, sammeln alle Geo-Daten und stellen diese in Onlinediensten und Datenportalen frei zur Verfügung. Wir bewerten die Geo-Risiken, überwachen die Erdbebenaktivität und betreiben das Erdbebenalarmsystem NRW. Unsere Daten zum tieferen geologischen Untergrund liefern die Grundlage für die Nutzung von klimafreundlicher Erdwärme und für die Herausforderungen der Nachbergbauzeit. Wir erkunden die wertvollen Rohstoffe von NRW und monitoren ihre Gewinnung, für eine nachhaltige und sichere Versorgung. NRW ist reich an Grundwasser, Heilquellen und Mineralwässern. Erschließung und Schutz des kostbaren Wassers gehen nicht ohne unser Know-how und unsere Daten. Wir beraten und liefern Geo-Daten zum Untergrund: für Gebäude, Straßen, Brücken, Staudämme, Tunnel, Bahngleise und Deponien. Wir unterstützen die Sicherung und Erschließung von herausragenden geowissenschaftlichen Objekten wie Höhlen, Felsen und besonderen Landschaftsformen. Land- und Forstwirtschaft vertrauen auf unsere Bodenkarten, auch für eine klimaangepasste Flächenbewirtschaftung. Geo-Daten sind unverzichtbar – für ein sicheres und lebenswertes NRW!

 

 

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Poster: Hier bohrt der Geologische Dienst NRW

 

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