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Repro der Lithographie aus der Goldfuß-Publikation von 1831; Institut für Geowissenschaften, Paläontologie, Uni Bonn; © Georg Oleschinski

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Fossil des Jahres

2021: Scaphognathus crassirostris – ein echter Dickschnabel

Der Flugsaurier Scaphognathus crassirostris hat heute Seltenheitswert. Denn weltweit sind nur drei fossile Exemplare bekannt. Alle drei stammen aus dem Solnhofener Plattenkalk des Oberjuras auf der Fränkischen Alb, aus der Gegend um Solnhofen und Eichstätt. A echter Bayer also, wie das Fossil des Jahres 2020. Denn der Urvogel Archaeopteryx stammt ebenfalls aus dieser weltweit bedeutenden Fossilfundstell

Der etwa 150 Millionen Jahre alte Scaphognathus crassirostris hatte bei einer Spannweite von rund 90 Zentimetern einen auffallend großen Schädel mit starken Kiefern. Daher auch sein Name, der übersetzt Dickschnabel lautet. Er war der erste Flugsaurier, bei dem eine Art Behaarung festgestellt wurde. Das deutet darauf hin, dass es sich bei ihm um einen Warmblüter handelte. Scaphognathus gehörte außerdem zu den ersten aktiven Fliegern unter den Wirbeltieren. Und aktiver Flug ist nur bei Warmblütern denkbar. Sie flogen ähnlich den heutigen Fledermäusen mit einer Flughaut, die bei ihnen allerdings nur am „Ringfinger“ aufgespannt war.

Foto: Institut für Geowissenschaften, Paläontologie, Uni Bonn © Georg Oleschinski

Scaphognathus crassirostris; Institut für Geowissenschaften, Paläontologie, Uni Bonn © Georg Oleschinski

1831 vom Bonner Professor für Zoologie und Paläontologie Georg August Goldfuß (1782 – 1848) erstmals wissenschaftlich beschrieben, ist dieses Fossil ein Meilenstein in der Rekonstruktion ausgestorbener Lebewesen. Anhand des Skeletts und der erhaltenen Weichteile leitete Goldfuß die Lebensweise des Flugsauriers ab. Er fertigte wissenschaftlich fundierte Lebendrekonstruktionen in der Lebewelt des Scaphognathus an. Heute bezeichnet man diese Arbeit als Paläo-Art. Sie wird in der Wissenschaft, aber auch in verschiedenen Medien eingesetzt. „Jurassic Park“ ist sicher das bekannteste Beispiel. Auf der rund 200 Jahre alten Kunstform gründet letztlich die Dino-Begeisterung bei Jung und Alt und die Bereitschaft, sich mit erdgeschichtlichem Leben auseinanderzusetzen.

Das Skelett der Erstbeschreibung bewahrte Goldfuß im damaligen Naturkundemuseum der Universität Bonn auf. Die Fossiliensammlung des Museums wird heute als Goldfuß-Museum präsentiert. Zu dessen 200-jährigen Bestehen lässt sich der Dickschnabel nach mehreren Ausleihen wieder in der Ausstellung bewundern. So ist Scaphognathus crassirostris irgendwie auch ein Rheinländer.

Die Paläontologische Gesellschaft vergibt seit 2008 jährlich den Titel „Fossil des Jahres“. Sie rückt damit die Bedeutung fossiler Objekte und deren Erforschung durch die Paläontologie stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.

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