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Menschen im Watt auf der Insel Sylt

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Boden des Jahres

2020: Der Wattboden – ein globales Phänomen

Wattböden sind weitgehend noch natürliche Böden im Übergangsbereich vom Land zum Meer. Sie kommen in solchen Küstenbereichen vor, die regelmäßig vom Tidewasser überflutet werden und bei Ebbe anschließend trockenfallen.

Wattböden gibt es an den Küsten aller Kontinente in allen Klimazonen. So auch an tropischen Mangrovenküsten und in von Gezeiten geprägten großen Flussmündungen wie an der Elbe zwischen Hamburg und Cuxhaven.

Wattböden sind junge Böden. Nur wenige spezialisierte Pionierpflanzen bilden den spärlichen Bewuchs. Das Watt an der Nordseeküste ist mit etwa 3 500 Quadratkilometer das größte zusammenhängende Wattgebiet der Welt. Aufgrund seiner herausragenden ökologischen Bedeutung steht ein großer Teil des deutschen Watts als Nationalpark Wattenmeer unter Schutz.

Dynamische Bodenbildung im Wechsel von Ebbe und Flut

Pflanzen und Bodenorganismen sind im Watt dem ständigen Wechsel von Trockenfallen und Überflutung, von Erosion und Sedimentablagerung ausgesetzt.

Aber auch die Schwankungen von Wasser- und Bodentemperaturen sowie Strömungen und Wellen prägen die Bodendynamik. Bei Ebbe unterliegen die Wattböden den Einwirkungen von Sonne, Wind und Regen, bei Flut werden die Sedimente mit der Strömung verlagert. Auch der Salzgehalt des Wattbodens bestimmt die Besiedlung von Bodenorganismen und den Pflanzenbewuchs.

In den Watten der Meeresküsten kommen rund 35 Gramm Salze pro Liter Bodenwasser vor, im flussnahen Watt-Bereich dagegen nur bis 0,5 Gramm pro Liter. Unter diesen extremen Bedingungen erscheint der Wattboden lebensfeindlich.

Dennoch ist die Lebewelt im Watt ausgesprochen arten- und formenreich. Aufgrund von periodischen Überflutungen, ständigen Sedimentumlagerungen, Wellenbewegungen und Strömungen eignen sich Watten als Vorrangflächen für den Natur- und Artenschutz. Sie bieten als Grenzbereich zwischen Land und Wasser für viele seltene und häufig stark spezialisierte Pflanzen und Tiere eine ökologische Nische und damit einen kostbaren Lebensraum.

Wattböden in NRW?

Im küstenfernen Nordrhein-Westfalen gibt es keine rezenten, heute vorkommenden Wattböden. Fossile Wattböden in NRW entstanden lange bevor Menschen die Erde bevölkerten und im Sommerurlaub Sandburgen bauten.

Aber als Zeugen der erdgeschichtlichen Entwicklung finden wir diese besondere Bodenform in zahlreichen Gesteinen als fossile Sedimentstruktur wieder. So zum Beispiel an geologisch bedeutsamen Aufschlüssen im Rheinischen Schiefergebirge, hier besonders im Sauerland. Dort können wir fossile Wellenrippeln und ähnliche Wattbodenstrukturen studieren, teilweise sind diese mehr als 350 Millionen Jahre alt.

Sie liefern uns wichtige Indizien für die Rekonstruktion der Paläogeografie in NRW, also der Verbreitung von Land und Meer in der Erdgeschichte. Und natürlich für den für die Entwicklung des Lebens so bedeutsamen Küstenbereich als Grenzsaum, sofern es eine Flachmeerküste war. Denn an Steilküsten oder Felsenküsten bilden sich keine Wattböden aus.

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