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Typisch Pelosol: Schrumpfungsrisse

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Pelosol: Boden des Jahres 2022

Anspruchsvoll, wenn er bearbeitet werden soll

Pelosol – sein Name ist Programm. So vereint er das griechische „pelos“ = Ton mit dem lateinischen „solum“ = Boden und steht für einen Boden mit hohen Gehalten an stark quellfähigen Tonmineralen. Oberflächennah (ab 30 cm Tiefe) enthält er davon über 45 %, wobei vor allem dreischichtige Tonminerale mit einer saisonalen Quellungs- und Schrumpfungs-Dynamik vorherrschen. Pelosole entwickeln sich insbesondere aus Ton- oder Tonmergelsteinen. Damit unterscheiden sie sich von den ebenfalls tonreichen Terra Fusca-Böden, die sich aus Kalk- oder Kalkmergelsteinen entwickeln.

Pelosole – Böden zwischen Quellen und Schrumpfen

Die typischen, dreischichtigen Tonminerale wie Montmorillonit oder Smectit vermögen in den Zwischenlagen ihres schichtig aufgebauten Atomgitters große Wassermengen einzulagern und sich stark auszuweiten. Bei Wasserüberschuss, zum Beispiel im Winter und Frühjahr, kann der Boden quellen. Die Bodenoberfläche des Pelosols kann sich dabei sogar leicht anheben. Bei sommerlichen Trockenphasen mit starker Verdunstung hingegen unterliegt der Pelosol Schrumpfungsprozessen, an der Oberfläche bilden sich typische polyedrische Bodenrisse, die bis in mehrere Dezimeter Tiefe reichen können. In die Trockenspalten kann humoses Oberbodenmaterial bis tief in den Unterboden rieseln und hier zu der für den Pelosol typischen tiefreichenden Humusanreicherung führen.

Bodenrisse und Spalten toniger Böden in Trockenphasen

Bodenrisse und Spalten toniger Böden in Trockenphasen

Pelosol-Braunerde

Pelosol-Braunerde aus tonigem Solifluktionsmaterial über Tonmergelstein (Raum Altenbeken)

Hoher Humusgehalt bis in die Tiefe

Insgesamt sorgt die periodische Dynamik des Quellens und Schrumpfens mit dem Aneinander-Reiben der Bodenaggregate für ein ausgeprägtes polyedrisches Gefüge: ein sogenanntes Absonderungsgefüge mit deutlichen Scherflächen (slickensides). Die typischen Scherbewegungen des Bodens bewirken eine homogene Einarbeitung der eingerieselten Humusbestandteile (pedogene Durchmischung oder Selbstmulchungs-Effekt) bis in den Unterboden. Pelosole zeichnen sich daher durch hohe Humusgehalte bis in tiefe Bodenbereiche aus.

Pelosole sind in der Regel sehr gut mit Nährstoffen und Wasser versorgt. Allerdings weist ihr Wasserhaushalt einige Besonderheiten auf, die dem Pelosol typische Bodeneigenschaften bescheren. Ein Großteil des Bodenwassers ist in den Tonmineralen sehr fest gebunden und daher für die meisten Pflanzen kaum verfügbar. Aufgrund des geringen Anteils an Mittel- und Grobporen ist zudem der Bodenluftgehalt sehr gering. Pelosole weisen daher oft Staunässemerkmale auf. In Trockenphasen dagegen kann der Niederschlag zügig über die gebildeten Bodenrisse vertikal abfließen. Schließlich kann die Rissbildung in den Pelosolen mit ihren Scherbewegungen die für die Wasseraufnahme bedeutsamen Fein- und Feinstwurzeln durchtrennen, sodass der Trockenstress der Pflanzen zusätzlich erhöht wird. Ihre ausgeprägte Fähigkeit, über die Dreischicht-Tonminerale neben den Nähr- auch Schadstoffe zu binden, macht Pelosole allerdings für den Grundwasserschutz interessant.

Pelosole – Es kommt auf die Minute an

Pelosole stellen für standortgerechte Baumarten gute Waldstandorte dar. Die landwirtschaftliche, insbesondere die ackerbauliche Nutzung und Bearbeitung hingegen ist anspruchsvoll und muss sehr behutsam erfolgen. Im wassererfüllten und gequollenen Zustand ist der Boden praktisch nicht befahrbar. Schwere Maschinen zerstören bei nassen Verhältnissen die Bodenstruktur, sinken in den tonigen Boden ein und hinterlassen tiefe Bearbeitungsspuren und Bodenschäden. Im ausgetrockneten Zustand ist der Boden hingegen steinhart, rissig und schwer zu bearbeiten. Das bedeutet, dass der optimale Bodenzustand für eine schonende Bearbeitung sehr kurz sein kann. Dieses kurze Zeitfenster für eine Bearbeitung hat dem Pelosol in der landwirtschaftlichen Praxis auch den Namen „Minutenboden“ eingebracht.

Vorkommen in Deutschland

Pelosole sind vor allem im Südwesten Deutschlands verbreitet, wo sie sich aus verwitterten Tonsteinen entwickelt haben. Deshalb hat das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau im Regierungspräsidium Freiburg am Rötelberg im Gemeindewald Hildrizhausen (Landkreis Böblingen) einen repräsentativen Pelosol für Aktionen zum Boden des Jahres 2022 ausgewählt und für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

In Nordrhein-Westfalen ist die Verbreitung von Pelosolen kleinflächig, meist in den Mittelgebirgen des östlichen Landesteils, insbesondere im Weserbergland, belegt. Hier sind die für die Bildung erforderlichen tonigen Ausgangsgesteine des Mesozoikums oberflächennah verbreitet.

In der landesweiten Bodenkartierung im Maßstab 1 : 50 000 und 1 : 5 000 wurden die kleinflächigen Pelosol-Vorkommen in der Regel nicht als eigene Bodeneinheiten ausgewiesen, sondern mit den flächig vorherrschenden Braunerden oder, bei deutlichen Staunässemerkmalen, den Pseudogley-Vorkommen zugeordnet.

Wer wählt den Boden des Jahres?

Das Kuratorium Boden des Jahres ist ein Gremium der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft, des Bundesverbandes Boden sowie des Ingenieurtechnischen Verbandes für Altlastenmanagement und Flächenrecycling. Das Kuratorium präsentiert den Boden des Jahres jeweils zum Weltbodentag am 5. Dezember für das Folgejahr in Berlin mit der Förderung des Umweltbundesamtes in Dessau-Roßlau.

Typisch Pelosol: Absonderungsgefüge mit StaunässemerkmalenTypisch Pelosol: Absonderungsgefüge mit Staunässemerkmalen

Typisch Pelosol: Absonderungsgefüge mit Staunässemerkmalen (hier an den Scherflächen)

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