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Der Ortsname verrät: Salz ist für das Städtchen am Südrand des Münsterlandes von großer Bedeutung. Solequellen lieferten ihm seit dem frühen Mittelalter den Rohstoff für die Erzeugung von Siedesalz und verhalfen der Sälzerstadt zu wirtschaftlicher Blüte. Entlang der historischen Handelsstraße „Hellweg“ zwischen Dortmund und Paderborn gab es früher mehrere Sälzerorte. Salinen bestanden auch in Unna-Königsborn, Werl und Soest. Unter anderem wird in Bad Sassendorf und Bad Westernkotten Sole heute für Kuranwendungen genutzt.
Die markante Quelllinie liegt am Südrand des Münsterländer Kreidebeckens, einer großräumigen geologischen Mulde. Die verkarsteten, grundwasserführenden Kalksteine der Oberkreide kommen an der flachen Südflanke der Mulde an die Erdoberfläche. Durch Klüfte sickert das Niederschlagswasser in den ergiebigen Grundwasserleiter, der in diesem Bereich überwiegend Süßwasser führt. Zum Beckeninneren taucht der Grundwasserleiter in mehr als 1 000 Meter Tiefe ab. Dort führt er eine hoch konzentrierte Sole. Unter dem gering durchlässigem Emscher-Mergel staut sich die Sole und ist artesisch gespannt. Die Salz-Süßwasser-Grenze verläuft etwa am südlichen Verbreitungsrand des Emscher-Mergels. Dabei drückt das Süßwasser in die Sole und verdrängt diese zum Teil. Dieser Vorgang wurde in den vergangenen Jahrzehnten durch die Sümpfung des Steinkohlenbergbaus verstärkt. Da salinares Tiefenwasser abgeleitet wurde, versiegten die Solequellen am Hellweg.
Letztlich verblieben im Naturschutzgebiet Sültsoid am Südrand von Salzkotten die letzten natürlichen Solequellen am Hellweg bzw. in Nordrhein-Westfalen. Der Name Sültsoid leitet sich vom altdeutschen Wort „Sültsoiden“ ab, das so viel bedeutet wie „Salzsieden“. Auf den salzhaltigen Böden um die zahlreichen kleinen Soleaustritte haben sich salzliebende Pflanzen angesiedelt, sogenannte Halophyten wie Salz-Aster, Strandsimse und Wilder Sellerie. Das Erstaunliche an diesen Soleaustritten ist, dass sie südlich der Emscher-Mergel-Grenze liegen. Auf Kluft- oder Zerrüttungszonen kann die Sole hier weit nach Süden vorstoßen. Für die Quellen wurde ein Naturschutzgebiet unter anderem aus erdgeschichtlichen Gründen festgesetzt. Seit 2019 sind sie Nationaler Geotop. Das Gebiet darf nicht betreten, kann jedoch entlang von Wanderwegen eingesehen werden.
Der Travertinhügel des Kütfelsens dokumentiert eine versiegte Solequelle und ist das geologische Wahrzeichen der Stadt. Der Travertin ist ein Naturdenkmal und gehört ebenfalls zum Nationalen Geotop. Der 3 Meter hohe aufgewölbte Sinterkalk wurde aus der kohlensäurehaltigen Sole der Unitas-Quelle ausgefällt. Etwa 15 000 Jahre lang wuchs der Felsen in die Höhe bis die Ausfällungen die Quelle verstopften. Ein Pumpenhäuschen von 1554 steht an der versiegten Quelle.
Westlich des Kütfelsens demonstriert die Solebohrung „Neuer Sprudel“ frei auslaufendes artesisch gespanntes Grundwasser. Auch sie ist Nationaler Geotop. Die knapp 300 Meter tiefe Bohrung erschloss zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter dem Emscher-Mergel eine artesisch gespannte Sole. Aus der Bohrung fließt Natrium-Chlorid-Wasser frei aus, mit dem ein 1997 zum 750-jährigen Stadtjubiläum neu erbautes Gradierwerk beschickt wird.
Auch Süßwasser sprudelt in Salzkotten aus der Erde: An den Heder-Quellen im Ortsteil Upsprunge durchbricht das Grundwasser tonige Sedimente der Grundmoräne, die dem Emscher-Mergel nach Süden vorgelagert sind.
Entdecken Sie auf Wanderwegen dieses einzigartige Quellengebiet: von den Hederquellen in Upsprunge durch die Hederaue und die Salzwiesen der Sültsoid bis zum Kütfelsen und zum Arteser „Neuer Sprudel“ am Gradierwerk neben der Stadthalle.
33154 Salzkotten
N 51° 39.645180' E 8° 36.445440'
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