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Foto: hydraförmige, aragonitische Kristallform im Höhlensystem Windloch bei Engelskirchen (aufgenommen von Gero Steffens, Deutsches Bergbau-Museum Bochum; Copyright: Arbeitskreis Kluterthöhle e.V.)

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Spektakulär – das Windloch im Mühlenberg

Mit Riesenkristallen überrascht das erst im Frühjahr 2019 entdeckte Höhlensystem in Engelskirchen. Nach der Winterpause setzte das Team vom Arbeitskreis Kluterthöhle e.V. im Mai 2020 die Erforschung der im Bergischen Land liegenden Höhle fort. Mit mehr als 8 km Länge zählt sie zu den Top Ten Deutschlands! Ihre spektakulären, filigranen Kristallaggregate sind einzigartig. Außergewöhnliche aragonitische Sinterformen bereichern den mit langen Gipsnadeln und großer Gipswatte, Bergkristallen und einzigartigen Tropfsteinformen bereits sensationellen Höhlenschatz und das längste Höhlensystem in Nordrhein-Westfalen!

Die Höhlenforscher vom Arbeitskreis Kluterthöhle e.V. haben den GD NRW seit Entdeckung der Höhle in ihre Arbeiten eingebunden. Die wissenschaftliche Untersuchung in Zusammenarbeit mit Universitäten und weiteren Spezialisten koordinieren und organisieren der Arbeitskreis Kluterthöhle e.V. und der GD NRW. Die aragonitischen Kristalle und Gips-Kristalle werden von uns zurzeit mineralogisch und geochemisch untersucht.

Die aragonitischen Sinterformen werden auch Eisenblüten genannt. Die Höhlenforscher entdeckten sie erst nach einer mehrstündigen und kräftezehrenden Tour durch das Höhlenlabyrinth. Die Kristallaggregate erreichen teilweise einen Durchmesser von mehr als 1,20 m und sind damit die größten in Europa. Das Mineral Aragonit besteht aus Kalziumkarbonat und kristallisiert in unterschiedlichster Form.

Die Riesen-Eisenblüten hat das Deutsche Bergbau-Museum Bochum – Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen – mit Fotos und Videosequenzen beeindruckend in Szene gesetzt.

Quelle: Pressemitteilung Stadt Engelskirchen

Foto: Baum des Glücks, eine aragonitische Kristallform im Höhlensystem Windloch bei Engelskirchen (Gero Steffens, Deutsches Bergbau-Museum Bochum; Copyright: Arbeitskreis Kluterthöhle e.V.)

Wie entstand die Höhle?

Vor rund 390 Millionen Jahren, zur Zeit des unteren Mitteldevons, lag das Gebiet des Bergischen Landes auf der Südhalbkugel in einem tropischen Schelfmeer. Im flachen warmen Meer wuchsen Riffe aus Korallen, schwammartigen Lebewesen – den Stromatoporen – und Seelilien, mit Seestern und Seeigel verwandte lilienförmige Stachelhäuter. Ihre kalkhaltigen Rückstände bilden die heute noch sichtbaren bzw. in der Tiefe verborgenen Riffkalksteine.

Die Riffkalke des Mühlenbergs sind den Hobräck-Schichten zuzuordnen, die überwiegend als marine Ton- und Sandsteine, lokal auch als Riffkalksteine ausgebildet sind. Dieser Basis-Riffkalk, in dem die Höhle liegt, besteht aus einzelnen Kalksteinbänken. Dazwischen kommen immer wieder dünne Mergelstein- und Tonschieferlagen von wenigen Zentimetern Mächtigkeit vor. Die oft hohen Sulfatgehalte dieser mergeligen bzw. tonigen Lagen erklären die reichhaltige Gipskristallisation in der Höhle.

Die Erforschung des Höhlensystems zeigt, dass sich der Basis-Riffkalk, ausgehend vom Walbach, unter dem gesamtem Mühlenberg herzieht und sich weiter nach Osten fortsetzt. Die intensive Faltung des Gesteins zeugt von der enormen Beanspruchung der Schichten durch gebirgsbildende Prozesse.

Die Bildung der Höhle begann vermutlich unter subtropischem Klima vor 28 bis 23 Millionen Jahren, im Oberoligozän, möglicherweise auch bereits in der Unterkreide vor mehr als 100 Millionen Jahren. Das aufgefaltete Gebirge war in den Jahrmillionen zuvor zu einer schwach reliefierten Rumpffläche erodiert. Entlang von Gesteinsklüften lösten kohlensäurehaltige Wässer den Kalkstein. Dabei entstanden Hohlformen im Untergrund und an der Erdoberfläche, der sogenannte Karbonatkarst. Mit der Hebung des Rheinischen Schiefergebirges sank der Karstwasserspiegel und die Höhle, die zuvor im grundwassererfüllten Raum lag, fiel trocken.

Die Zukunft des Windlochs

Die Riesenhöhle ist nicht nur die größte Höhle Nordrhein-Westfalens; mit ihren spektakulären Kristallen und Sinterformen ist sie einzigartig. Dem empfindlichen Höhlenschatz ist entsprechend Rechnung zu tragen. Die geowissenschaftliche Erforschung erfolgt äußerst sorgfältig, vorsichtig und nachhaltig, damit die Höhle keinen Schaden nimmt. Für die Öffentlichkeit wird sie nicht direkt zugänglich sein. Zurzeit wird ein Konzept für ein neues Besucherzentrum an der nur wenige Hundert Meter entfernten und touristisch erschlossenen Aggertalhöhle erstellt. Hier könnte das Windloch in Zukunft virtuell zu begehen und bestaunen sein. So die Idee zum Schutz dieser Jahrhundertentdeckung.

Fotos: Gero Steffens, Deutsches Bergbau-Museum Bochum; Copyright: Arbeitskreis Kluterthöhle e.V.

Foto: Tunnel im Höhlensystem Windloch bei Engelskirchen (Gero Steffens, Deutsches Bergbau-Museum Bochum; Copyright: Arbeitskreis Kluterthöhle e.V.)

Tunnel im Windloch

Kristallwunder Windloch

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