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Foto: Mineralwasserflaschen vor Naturkulisse

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Mineralwasser und Sole aus dem „Pott“ – tiefe Grundwasserkörper im Ruhrrevier

Dank seiner Geologie verfügt das Ruhrrevier über zahlreiche hochwertige Grundwasservorkommen. Ihre ursprüngliche Reinheit wird bis heute durch überlagernde, wenig durchlässige Schichten bewahrt. Nutzbare, auch für die Trinkwasserversorgung wertvolle Grundwasservorkommen sind vor hochmineralisierten Tiefengrundwässern zu schützen. Denn mit dem Ende des Bergbaus wurde die Sümpfung der Grubenwässer zurückgefahren, sodass diese allmählich wieder auf ein höheres Niveau ansteigen. Dabei ist ein Kontakt mit nutzbaren Vorkommen an Grundwasser – auch in größerer Tiefe – dauerhaft zu vermeiden. Hierfür ist das Fachwissen unserer Hydrogeolog*innen gefragt. Sie begleiten die Maßnahmen der Landesregierung zum Schutz des Grundwassers.

Der GD NRW wurde daher 2019 vom Umweltministerium NRW (MULNV) beauftragt, tiefe Grundwasserkörper im Ruhrrevier auszuweisen, die von jüngeren geologischen Einheiten überdeckt werden. Hierzu wurden in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz NRW (LANUV NRW) alle vorhandenen geologischen und hydrogeologischen Daten sowie Untergrundmodelle ausgewertet.

Die tiefen Grundwasserkörper im Überblick

Insgesamt wurden im Ruhrrevier fünf tiefe Grundwasserkörper identifiziert, die folgende fünf geologische Einheiten umfassen:

  • Oberkarbon
  • Buntsandstein (Trias)
  • Cenomanium/Turonium (Oberkreide)
  • Haltern-Formation/Recklinghausen-Formation (Oberkreide)
  • Walsum-Subformation (Tertiär)
Karte der Grundwasserkörper im Ruhrrevier

Verbreitung der oberflächennahen und tiefen Grundwasserkörper im Ruhrrevier: Die gestrichelten Linien zeigen die Außengrenzen der tiefen Grundwasserkörper entlang des Pufferbereiches um die Wasserhaltungsprovinzen des Steinkohlenbergbaus. Es handelt sich nicht um die vollständige Verbreitung der betreffenden geologischen Einheit.
GWK = Grundwasserkörper; oGWK, tGWK = oberflächennahe bzw. tiefe Grundwasserkörper

Cover gdreport

Mehr zur Ausweisung und Nutzung tiefer Grundwasserkörper im Ruhrrevier in gdreport 2021/2, PDF (4 MB)

Unsere Hydrogeolog*innen fassten die charakterisierenden Eigenschaften der jeweiligen Grundwasserkörper gemäß Europäischer Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) in Steckbriefen zusammen und stellten sie dem LANUV NRW zur Bewirtschaftungsplanung zur Verfügung. Im Frühjahr 2022 folgt die Bereitstellung weiterer Daten für das Ibbenbürener Revier.

Warme Quellen für die Kumpel

Die in mehreren Hundert Metern Tiefe vorkommenden und meist durch den Bergbau erschlossenen Solewässer (Sole = mineralisiertes Wasser mit mindestens 14 Gramm gelöstem Salz pro Liter) wurden einst in den zahlreichen Thermal- und Solebädern des Ruhrreviers genutzt. Sie waren auch Ursprung einiger der beliebten Revierparks wie die Kurparkanlagen Raffelberg oder Königsborn. Die Stadt Hamm durfte sich wegen ihres Kurbetriebs von 1882 bis 1955 sogar Bad Hamm nennen. Das ehemalige Sol- und Thermalbad Wanne-Eickel verdankte seine Existenz der bis 1918 sprudelnden „Wilhelmsquelle“. Auf diese über 40 Grad warme Solequelle stießen Bergleute in etwa 500 Metern Tiefe: eine Wohltat für die Kumpel und die Bevölkerung des Ruhrreviers.

Durch seine Nordwanderung verlagerte sich der Bergbau in immer größere Tiefen, aus denen das Wasser für die Kohleförderung abgepumpt werden musste. Dadurch gerieten die südlich gelegenen „Quellhorizonte“ in den Einzugsbereich der Sümpfung und versiegten zunehmend. Heute wird die Sole für noch bestehende Solebäder vielfach von außerhalb NRWs bezogen. Nur noch imposante Bauwerke wie das ehemalige Grullbad Recklinghausen oder die Kuppelhalle des Solbads Raffelberg zeugen von der früheren Soleförderung und dem regen Bäderbetrieb.

© Matthias Böhm, Kurhaus an der Ostenallee im Stadtbezirk Uentrop der kreisfreien Stadt Hamm in Nordrhein-Westfalen A1, CC BY-SA 4.0 Foto: Solbad Raffelberg

Aus alten Zeiten und Auszeit für die Kumpel: das Kurhaus Bad Hamm (oben) und das Solbad Raffelberg in Mülheim-Speldorf

Sprudel aus den Tiefen der Metropolregion Ruhr

Mineralwässer aus dem Ruhrgebiet sind bekannt und beliebt. Doch nicht immer ist es uns bewusst, dass es sich bei Sprudel, erfrischender Limonade oder leckerem Bier auch um Mineralwasser aus dem Ruhrrevier handelt. Die schwach mineralisierten Wässer werden aus Tiefen bis rund 300 Metern gefördert. Die sie überlagernden, wenig durchlässigen Schichten schützen sie vor Einträgen von der Erdoberfläche. Doch mit zunehmender Verstädterung und da Mineralwasservorkommen nicht durch Wasserschutzgebiete geschützt werden, waren in der Vergangenheit viele Betriebe zur Aufgabe oder Abwanderung gezwungen.

Doch nach wie vor bieten die an Förderstandorten in Essen, Dortmund oder Bochum gewonnenen Wässer einen Einblick in die hydrogeologischen Verhältnisse des Untergrundes und die darin ablaufenden chemischen Prozesse. Die unterschiedliche chemische Zusammensetzung der Mineralwässer zeigt uns ihre Vielfalt.

Planen und entscheiden mit hydrogeologischem Wissen

Ob Trinkwasser, Mineralwasser oder Sole: Der GD NRW hilft mit seinen umfangreichen Daten beim Erhalt wertvoller Grundwasservorkommen und schafft die Voraussetzung für wissenschaftlich fundierte Planungs- und Entscheidungsprozesse. Zudem hilft unser Know-how, konkurrierende Nutzungsinteressen gegeneinander abzuwägen. So können auch zukünftige Generationen die Wasservielfalt NRWs genießen.

Salz und Sole ...

... im GeoPark Ruhrgebiet: GeoPark Themenheft 7, PDF (2 MB)

Foto: Mineralwasserflaschen mit Glas vor blauem Himmel

Spritzig & lecker: Mineralwasser aus der Metropolregion Ruhr

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